[Rezension] Unsterblich - Tor der Nacht 02 (Julie Kagawa)


Infos zum Buch:
Originaltitel: Blood of Eden - The Eternity Cure #2
Autor/in: Julie Kagawa
Seiten: 544
Verlag: Heyne (12. Mai 2014)
ISBN: 978-3-453-26869-2
Preis: 16,99€ (HC)
Genre: Fantasy, Apokalypse, Dystopie, (Horror)
Reihe: "Unsterblich"-Trilogie
0.5 "Till The World Ends" (eng., Anthologie)
  1. Tor der Dämmerung
  2. Tor der Nacht
  3. "The Forever Song" (eng., erscheint ?)


SPOILERWARNUNG! Es handelt sich hier um den zweiten Band einer Reihe!
Klappentext: → Link!

Eigene Zusammenfassung des Anfangs:
Nachdem Allison Sekemoto (kurz: Allie) ihre Freunde auf ihrem Weg nach Eden begleitet hatte, einem Ort, wo die Menschen nicht von Vampiren terrorisiert werden und es auch keine Verseuchten gibt, muss sie fortan alleine reisen. Natürlich hatte man ihr als Vampir nicht erlaubt in Eden zu bleiben. Doch Allie weiß, dass nun die Zeit gekommen ist, ihre menschlichen Freunde, insbesondere Ezekiel (kurz: Zeke) zu verlassen und nun ihren Schöpfer zu suchen.  

Kanin befindet sich in Sarrens Gefangenschaft und braucht dringend Hilfe. Sarren, der geistesgestörte Psychovamp, foltert Kanin bis aufs Äußerste, denn ihn treibt blutrünstige und wahnsinnige Rache dafür, dass Kanin ihn an die Menschen als Experimentierobjekt ausgeliefert hatte. Durch die Verbindung zwischen einem Schöpfer und seinen "Kindern", träumt Allie oft von Kanins Qualen und hört, wie er sie verzweifelt zu sich ruft. Plötzlich spürt sie ein zweites Band und trifft auf Jackal, dem Banditenkönig, der zuvor viele ihrer Freunde getötet hatte und auch sie beinahe ausgelöscht hätte und wie sie dann mit Grauen feststellen muss - ihrem Blutsbruder. Ohne seine Hilfe wird sie Sarren nicht besiegen können, doch kann sie mit so einem herzlosen Mistkerl überhaupt zusammenarbeiten? Nach allem, was er ihr und ihren Freunden angetan hatte? Zudem scheint die ursprüngliche Seuche die Rote Schwindsucht bei den Menschen wieder ausgebrochen zu sein und nun wandeln auch tagsüber menschliche "Bluter" umher.

Meine Meinung:
Das Cover ist dem Verlag mal wieder sehr gut gelungen! Statt einem "roten Meer", umgibt das Mädchen mit dem Samuraischwert, das sehr wahrscheinlich Allison darstellen soll, ein im Blauton gezeichneter Dickicht. Es scheint, als stände sie mitten in einem Dschungel und viel Pflanzen schlängeln sich am Buchcoverrand entlang. Insgesamt gefällt mir das Design der ersten beiden Bände dieser Trilogie wirklich sehr gut.

Der Anfang ist sehr ruhig und man bekommt die Möglichkeit sich an die vorherigen Ereignisse zu erinnern, was ich sehr gut fand. Indirekt wird die Vorgeschichte nämlich noch einmal zusammengefasst und ich hatte überhaupt keine Schwierigkeiten, mich wieder in diese dystopische Welt mit Vampiren einzufinden.

Unsere Protagonistin Allie hat ein klares Ziel vor Augen: sie muss Kanin aus Sarrens Fängen befreien! Bewusst stellt sie ihre eigenen Sehnsüchte zurück und akzeptiert, dass Vampire und menschliche Bindungen einfach nicht funktionieren werden. Natürlich geht es um Zeke, aber Allie scheint sich damit abgefunden zu haben, dass das keine Zukunft haben wird. Stattdessen lenkt sie ihre Hoffnung in eine andere Bahn, einem geistigen Band, dass sie anzieht und das mit jedem Tag schwächer wird - Kanin. Ihre Entschlossenheit, Stärke und Tapferkeit haben mich sehr beeindruckt und ihr persönlicher Kampf gegen ihr inneres, blutrünstiges Monster war durchgehend spürbar. Ganz klar zeigt Allison hier eine enorme Charakterentwicklung, damals noch eine hilflose Straßengöre, die nur ums Überleben kämpft und nun ein starker Vampir mit neuen Fähigkeiten und einem klaren Ziel. Allies Gedanken werden bis in den hintersten Winkel offengelegt und man ist der Protagonistin unheimlich nah, sodass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann.

Wieder einmal bin ich von diesem "Worldbuilding" (= fiktionales Weltkonzept) komplett geflasht. Das ist wie mit einer Eisenbahn, die mit 200 Sachen gegen eine stabile Betonmauer rast - die Kollision ist unvermeidlich und absolut explosiv. Pures Kopfkino und einfach großartig, wie die Autorin diese apokalyptische Welt in all ihrer Finsternis und Grausamkeit beschreibt. Die Atmosphäre/Stimmung war immer greifbar und unglaublich ansteckend, denn diese Welt strotzt vor Hoffnungslosigkeit, Gewalt und Kälte.

Julie Kagawa ist schlicht und ergreifend eine Meisterin ihres Gebiets. Sie schafft es, dass jeder Reihenband einen klaren roten Faden behält und das Gesamtbild einfach stimmig ist. Bei diesem zweiten Band der Unsterblich-Trilogie ist es nicht anders. Der Schreibstil ist so perfekt wie von mir mittlerweile schon erwartet (dies ist mein 7. Buch von ihr) und ist flüssig, bildhaft, prägnant und einfach gnadenlos, wenn es um die Beschreibung von blutigen und krasseren Szenen geht. Meine Kinnlade liegt praktisch bei meinen Füßen, denn die Autorin schafft es unglaublichweise den ersten Band noch zu übertrumpfen. Sie hatte mich die ganze Zeit komplett in ihrem Bann und es war der absolute Wahnsinn, wie sehr mich diese Geschichte fesseln konnte. Die gesamte Story wird wieder nur aus Allies Sicht in Ich-Form und in Vergangenheit erzählt.

Es gibt unerwartete Wendungen, die mich einfach kalt erwischt haben und mich hat es sehr überrascht, dass mir der erzwungene Waffenstillstand zwischen Allie und Jackal ziemlich gut gefallen hat. Jackal besteht grob gesehen aus triefendem und herrlichem Sarkasmus, überragendem Schauspieltalent, purer Dreistheit, Gewissenlosigkeit und einer sehr egoistischen Weitsichtigkeit (= will grundsätzlich nur seinen eigenen Arsch retten). Im ersten Moment will Allie ihn natürlich nur tot sehen, doch nach und nach lernt sie ihn besser kennen und... will ihn im Grunde immer noch tot sehen, weil er ihr mit seinen Sprüchen so auf die Nerven geht. Einfach herrlich und es trifft einfach meinen Humor!

Die Situation spitzt sich mit jeder Seite immer weiter zu, wird immer schlimmer und gleichzeitig fesselnder und die Zeit rennt. Das Buch ist durchgehend spannend und unterhaltsam, doch auf den letzten 150 Seiten klebten meine Augen quasi an den gedruckten Buchstaben. Und das Ende, oh Gott, das Ende. Was denkt ihr euch, wenn ihr diese Widmung der Autorin ganz vorne lest?
Zitat: "Für Natashya, weil sie mich dazu ermutigt hat, meine Lieblinge zu töten." (Seite 5)
Richtig, ihr macht euch erstmal vor Angst fast in die Hose und denkt euch: BITTE NICHT! So war es auch bei mir und meine Hände haben gezittert, als ich die letzten Seiten umgeblättert habe... Ich sage nur eins: Weinkrampf. Na gut, so heftig war es nicht, aber ich musste schon ein paar Tränen wegwischen. Und jetzt kommt's - ja, das war noch nicht das Schlimmste. Nachdem ich mich also wieder gesammelt hatte, wandte ich mich traurig dem Epilog zu und was mich dort erwartete, war ein Mount-Everest-großer Cliffhanger, bei dem ich fast um mich geschlagen hätte vor Wut. Es war zum Haare ausreißen und ich hoffe, dass ich sehr sehr bald, den dritten Band in die Finger bekomme.

Fazit:
5 von 5 Punkten mit Herz! :)
Eine grandiose Fortsetzung - noch besser als der erste Teil! *-*

Kommentare:

  1. Hi Lydia,

    ich habe das Buch auch vor kurzem verschlungen und fand es echt toll. Gerade den Schluss. Diese Wendungen und Überraschungen und das Ende an sich... Es war einfach toll :D

    Lg
    Micha

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    1. Du sagst es, einfach grandios! *-* :)))

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  2. Eine wirklich total tolle und treffende Rezi zu diesem Meisterwerk!! <3
    "Das ist wie mit einer Eisenbahn, die mit 200 Sachen gegen eine stabile Betonmauer rast - die Kollision ist unvermeidlich und absolut explosiv." Jaaaa jaaaa jaaa....genau das trifft es perfekt!! :D
    Das Ende...ich habe mich GENAUSO gefühlt wie du...irgend etwas muss zerstört werden. :O Ich dachte wirklich, dass ich es bis Band 3 nicht schaffen werde, weil ich vorher vor Neugier umkomme. xD

    Wirklich toll! <3

    Liebe Grüße Becci :D

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    1. Dankedankedanke!!! :)))) ♥
      Oh ja, ich denke, diesen Gedanken hatten wohl die meisten Leser dieses Buches! Es war echt soooo krass! >__<''

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Danke für dein Kommentar! :) ♥