[Rezension] Vertauschte Leben (Birgit Gassmann)




Infos zum Buch:
Autor/in: Birgit GassmannSeiten: 336
Verlag: Gerth Medien (März 2013)
ISBN: 9783865917492
Preis: 14,99€ (HC)
Genre: Christliche Literatur

Klappentext:
Gabi und Gerd Bender sind stolz auf ihren 17-jährigen Sohn Tim: Er ist ein brillanter Schüler und ein begabter Pianist. Doch ihr wohlgeordnetes Leben gerät ins Wanken, als herauskommt, dass Tim gar nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern bei der Geburt mit David Liegers vertauscht wurde. David ist nach einer Hirnhautentzündung behindert. Seine Eltern Mona und Rolf lieben ihn dennoch bedingungslos. Beide Familien müssen nun einen Weg finden, mit dieser kaum fassbaren Situation umzugehen ...

Meine Meinung:
Ein Cover, das sofort ins Auge springt und man weiß fast sofort, um was es gehen muss. Durch den Titel "Vertauschte Leben" und den zwei Jungen kommt man recht schnell auf den Inhalt, doch sobald man sich den Klappentext durchliest, wird man überrascht. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass diese Jungen als Kinder vertauscht wurden. Einer von ihnen ist gesundheitlich vernachlässigt und so gibt es große Unterschiede in den beiden Familien, die mit dieser Situation umgehen müssen.

Die Familie Bender führen ein geordnetes und erfolgreiches Leben, Tim, der sehr intelligente Sohn von Gabi und Gerd, hat eine große Musikkarriere vor sich. Sein strenger Vater verlässt sich auf ihn. Aber als Tim einen Autounfall hat und dabei herauskommt, dass Tim nicht Gabis und sein leiblicher Sohn ist, bricht mit einem Tag die Familie auseinander. Mona und Rolf Liegers leben ein einfaches, aber sehr glückliches Leben mit ihren Kindern Katrin und David. David ist geistig behindert, doch die Familie geht damit sehr liebevoll und einfühlsam um und beiben in ihrem Glauben an Gott stark und unerschütterlich.

Zwei ganz unterschiedliche Leben, die so plötzlich miteinander verwoben werden, weil sie als Babys vertauscht wurden? Das hörte sich für mich unglaublich interessant an und ich musste das Buch einfach lesen! Eine solche ungewöhnliche Situation kann man sich nur sehr schwer vorstellen, sodass dieses Buch umso reizvoller wirkt.

Tims Leben war vor der Unfall ein absoluter Traum. Großes Talent, große Pläne und sehr gute Chancen, dabei Erfolg zu haben. Doch als die Wahrheit ans Licht gerät, stellt sich in ihm die Frage, wer er eigentlich ist und zu wem er gehört. Was macht ihn aus? Seine felsenfeste Basis waren bisher immer seine Eltern gewesen, die ihn unterstützt haben, doch jetzt ist das komplett anders, da er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sondern dieser "sabbernde Idiot" David. Oder? Ist er jetzt ein Liegers oder darf er sich noch ein Bender nenne? Die Frage nach seiner Identität treibt Tim bald in den Wahnsinn und diese innere Zerissenheit überwältigen ihn. Sein Gefühlsleben wurde in dem Buch wirklich sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Doch was die Geschichte wirklich authentisch gemacht hat, waren auch die Einblicke in die Gedanken der Menschen, die diese Tragödie ebenfalls beeinflussten, z.B. die Eltern, die Schwester von David und der Arzt. Die beiden Familien können diese "Wendung" zuerst gar nicht realisieren, was vollkommen verständlich ist. Doch bald müssen sie sich den Dingen stellen und es ist sehr berührend, wie ein jeder, aber hier besonders Tim, damit umgeht.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut und flüssig zu lesen. Es gibt einige ganz willkürliche Perspektivenwechsel, was ich bei diesem Buch sehr sinnvoll und gut fand, da der Leser so die ganze Situation aus mehreren Blickwinkeln sehen kann und sich noch besser in sie hineinversetzen kann. Die Personen erzählen die Geschichte dann in Er-/Sie-Form und in Vergangenheit. Von der Sprache her fand ich es auch gut. Besonders in den Gesprächen zwischen Tim und Katrin ist mir die wohüberlegt gewählte Wortwahl aufgefallen und diese Gespräche fand ich auch am Besten.

Auf der Suche nach seiner wahren Identität gerät Tim wie erwartet auf die Frage, ob es einen Gott gibt und was für einen Sinn sein Leben eigentlich hat. Er ist grundsätzlich nicht gläubig und hält die Bibel für Hirngespinst und doch kann er nicht verhindern, dass er immer und immer wieder mit Katrin darüber diskutiert - nicht um zu streiten, sondern um tiefgründige Gespräche zu führen und eventuell Antworten zu finden. Dabei kommt es niemals so rüber, als wolle Katrin Tim unbedingt bekehren, denn es ist meist Tim, der diese Themen anspricht und das fand ich richtig gut! Dadurch wirkt das Buch nicht zu "christlich", sondern einfach nur neutral, da Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen ihre Ansichten vertreten und trotzdem miteinander klarkommen.

Ich ziehen einen halben Punkt ab, da ich zwischendrin öfters mal das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte etwas hinzieht und langatmig wirkt und dagegen das rasante und ziemlich bizarre Ende zu abprubt wirkt. Ansonsten empfehle ich dieses Buch ganz klar weiter!

Fazit:
4,5 von 5 Punkten! :)

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