[Rezension] Sternenfeuer - Vertraue niemandem - Amy Kathleen Ryan

Infos zum Buch:
Autor/in: Amy Kathleen Ryan
Preis: 16,99€
Seiten: 432
Originaltitel: Sky Chasers - Sparks #2
Verlag: Droemer Knaur
Reihe: "Sternenfeuer"-Trilogie
  1. Gefährliche Lügen
  2. Vertraue niemandem
  3. ?

Vorsicht! Dies ist die Rezension zum zweiten Band einer Reiher und enthält Spoiler!

Klappentext:
Aus der Reise des Raumschiffs Empyrean zu einem weit entfernten Planeten ist ein Kampf um Leben und Tod geworden: Kieran ringt mit der Verantwortung, die als neuer Kommandant auf seinen Schultern lastet; Waverley muss alles daransetzen, ihre entführten Eltern zu befreien; und Seth, der in einer Arrestzelle eingesperrt ist, ahnt als Einziger, dass es einen blinden Passagier an Bord gibt, der nicht eher ruhen wird, bis er die Empyrean vernichtet hat …

Meine Meinung:
Ich finde es echt gut, dass der Verlag darauf geachtet hat, die Bände dieser Reihe auch äußerlich zueinander passend zu gestalten. Aber wie ich auch schon bei der Rezension zu Band 1 erwähnt habe, kann ich mir nicht erklären, wieso man ausgerechnet diese Ketten-Anhänger als Motiv für beiden Cover ausgesucht hat, da sie bis jetzt nie in der Geschichte irgendwie erwähnt werden. Jedenfalls sind sie sehr schön anzusehen (ein Blickfang im Regal) und bei beiden Covern erkennt man den Bezug zu einer Science-Fiction Story, die im Weltall spielt. Während ich die Cover im Englischen schöner finde, sind die deutschen Titel ausdrucksstärker. "Sternenfeuer" an sich hört sich schon toll an und der Untertitel "Vertraue niemandem" passt auch wunderbar zur Geschichte, denn niemandem zu vertrauen ist wohl der beste Weg, sich selbst zu schützen...

Waverly und die anderen Mädchen der Empyrian haben es endlich aus der New Horizon geschafft und sind froh, wieder zurück zu sein, aber das Glück ist nicht vollkommen. Alle Erwachsenen wurden auf die New Horizon entführt und viele mussten ihr Leben dafür geben, um wenigstens die Kinder zu retten. Aber nun sind die Kinder auf der Empyrian komplett auf sich allein gestellt und nach der Regierungskatastrophe mit Seth, ist die Situation mehr als wackelig. Kieran, der eigentliche Nachfolger von Captain Jones, lässt Seth in die Brig werfen und sieht die Reise der Empyrian auf die New Earth mit anderen Augen. Er ist der festen Überzeugung, dass sie das von Gott auserwählte Volk sind und diese Mission nur mit Gottes Gnade gelingen kann. Er steckt die anderen mit dieser Wunschvorstellung an und die Kinder preisen ihn anbetungsvoll an, denn für sie ist Gott die letzte Hoffnung geworden. Die Mädchen realisieren schnell, dass Kieran die Kinder der Empyrian zu genau so einer religiösen Horrorgesellschaft wie auf der New Horizon formt, seine Entscheidungen nicht vertrauenswürdig sind und er viele Geheimnisse hat, die allen schaden könnten.

Vor allem Waverly kommt dieser neue Kieran vollkommen fremd vor und dieses Gefühl wird zu purem Hass, als sie erkennt, dass es den alten Kyrian nicht mehr gibt und er zu einer Kopie von Anne Mather, die Anführerin und Pastorin der New Horizon, wird. Sie kann niemals vergessen, dass man sie und die anderen Mädchen dort medizinisch vergewaltigt hatte, nur damit die Frauen auf dem Schwesternschiff ihre Kinder gebären konnten. Nur wegen ihr, musste Waverly zur Mörderin werden, nur wegen ihr, haben viele Kinder ihre Eltern verloren, nur wegen ihr, müssen jetzt genau diese Kinder und Waisen ein ganzes Raumschiff lenken und allein überleben. Es ist ein schwerwiegendes Trauma mit dem Waverly zu kämpfen hat, aber sie bekommt keine Ruhe. Fast alle Kinder geben ihr die Schuld am Tod ihrer Eltern, ihre Eltern müssen unbedingt gerettet werden, Kieran hält sich weiterhin für den Messias und dann erreicht sie auch noch die Nachricht, dass ein gefährlicher blinder Passagier an Bord ist und Seth aus der Brig ausgebrochen ist...

Frau Ryans Schreibstil ist nach wie vor sehr gut und flüssig zu lesen, sie gestaltet ihre Geschichte wirklich gekonnt und es ist immer ein roter Faden vorhanden. Sie ist eine dieser Autorinnen, die wissen, wie und wann man Perspektivenwechsel einsetzen muss, um einen positiven Effekt beim Leser zu erzeugen. Ich mag eigentlich keine häufigen Perspektivenwechsel, weil sie mich bisher immer verwirrt haben und die Handlung der einzelnen Figuren unzusammenhängend erscheinen ließ. In diesem Fall, kann ich mir die Geschichte ohne diesen stetigen Wechsel gar nicht erst vorstellen! Seth, Waverly und Kieran erzählen immer abwechselnd in der Er-/Sie-Form und in Vergangenheit. Nach dem ersten Buch, das mich in vielerlei Hinsicht überrascht hat, konnte ich mich auf die Fortsetzung etwas besser einstellen. Die Autorin werde ich wohl niemals vergessen, weil sie 1. einen langen Namen hat, 2. dem Leser gerne Vieles glauben lässt, nur um 3. diese vermeintlichen Tatsachen immer wieder zu verdrehen, bis man gar nichts mehr genau weiß. Ich habe erst sehr wenige Geschichte gelesen, die mich immer wieder mit ihren Wendungen komplett überraschen konnten und stehts ihre Unvorhersehbarkeit beweisen.

Und ich habe wohl noch nie eine solche Geschichte gelesen, bei der man nie genau sagen kann, welche Charaktere die "Bösen" und welche die "Guten" sind oder wer das "Opfer" und wer der "Täter" ist. Amy Kathleen erschafft ihre Charaktere nie nach dem allbekanntlichen Muster. Waverly, Kieran und Seth sind extrem vielschichtig und alle drei entwickeln sich immer in eine vom Leser unvermutete Richtung. Sie bleiben deshalb stehts undurchschaubar und man kann nie behaupten, die Charaktere wirklich zu kennen. Dadurch entsteht zwar eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und den Protagonisten, aber man möchte gleichzeitig immer mehr wissen, zu welcher Seite (ganz platt gesagt: zur guten oder bösen Seite) sich Figur XY letztendlich entscheiden wird.
Zitat: "Er war nie so naiv gewesen zu glauben, dass sie keine dunklen Abgründe in sich trug. Natürlich tat sie das. [Er] lebte in der Gewissheit, dass jeder solch eine dunkle Seite besaß; jeder Einzelne konnte bis an den Rand jener Grenze getrieben werden, die ihn seine eigene Menschlichkeit  vergessen ließ. Auch er selbst hatte diesen Punkt bereits mehrfach erreicht." (Seite 394)
Dieses Zitat zeigt am besten, wie mich dieses Buch geprägt hat. Alle Menschen haben Vorurteile und jeder Einzelne hat seine Mitmenschen in zwei Kategorien eingeteilt. Ob "gut" und "schlecht", ob "mag ich" und "mag ich nicht" u.s.w., das ist egal. Es geht nur darum, dass wir vielen Menschen nach unserem ersten Eindruck von ihnen, gar keine weitere Chance mehr geben. Wir vergessen dabei aber, dass auch wir nicht perfekt sind, dass auch wir Fehler machen und dass auch wir nicht komplett "gut" oder "schlecht" sein können. Jeder hat seine Tiefen und Höhen und alle Figuren in dieser Geschichte wirken für mich, dadurch dass sie sich ebenfalls in dieser Grauzone befinden, umso authentischer. Keiner kann stehts das Humanitätsideal repräsentieren, das geht einfach nicht, weil wir eben menschlich sind und alles andere zu glauben wäre meiner Meinung nach, nur naiv.

Im letzten Band hatte ich Schwierigkeiten mich mit den Charakteren irgendwie anzufreunden, diesmal ist das zum Glück etwas klarer. Während Kieran mir immer unsympathischer wird, konnte ich Seth immer besser verstehen (er ist momentan mein Lieblingscharakter) und Waverly nimmt ebenfalls wieder eine neue Position ein, denn für mich erscheint sie sehr fragil, unsicher und angeschlagen von den vergangenen Ereignissen. Ich habe ihr Handeln selten verstanden und bin gespannt, was sie vorhat. Aber das kann ich genauso gut bei Seth und Kieran sagen, denn wie schon gesagt, alle drei bleiben durchgehend undurchschaubar und gerade das gefällt mir an dieser Geschichte so gut. Trotzdem gibt es in meiner Bewertung einen Punktabzug, da ich im zweiten Band mehr Klarheit von der Gesamtsituation zwischen den Schwesternschiffen und ein erwachseneres Verhalten von Kieran und Waverly erwartet habe, was in Band 1 verständlicherweise komplett fehlte. Natürlich stehen sie unter Druck, sie sind eine der Ältesten an Bord und doch müssten sie sich gerade deswegen wenigstens ein bisschen mehr zusammenreißen. Man kann kein neues Vertrauen mit weiteren Lügen aufbauen und ich hatte das Gefühl, dass abgesehen von Seth und vielleicht auch Waverly (ich bin mir bei ihr nicht sicher), keiner aus der Vergangenheit gelernt hat. Die Spannung ist konsequent da und das Ende ist ein echter Showdown, was es dem Leser fast unmöglich macht, auf den letzten Band dieser nervenaufreibenden Reihe zu warten.

Fazit:
4 von 5 Punkten! :)
Ein würdiger Nachfolger mit ernsten Themen und fehlerhaften und deshalb authentischen Charakteren, der einen nach dem letzten Band der Reihe lechzen lässt! ;)

Kommentare:

  1. echt gute Rezension :)

    *Schleichwerbung :)*
    Ich veranstallte ab dem 28.12.12-31.12.12 einen Lesemarathon, hast du Lust mitzumachen?

    Klick :)

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  2. ...ich will die Reihe jetzt auch demnächst anfangen, deshalb habe ich erstmal nur dein Fazit gelesen. Ich muss sagen, bin sehr gespannt!

    LG

    Kay

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  3. Ich würde ja die Rezi lesen... aber ich habe den ersten Band nicht gelesen... aber du musst unbedingt, was von John Green lesen! Bitte! Nicht nur um meinetwillen, sondern auch um deinetwillen (<- ist das richtig geschrieben)
    Achja viel Spaß mit Layton, ich habe es vergessen unter deinem letzten Post zu schreiben...
    Liebe Grüße
    Christine

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  4. Band 1 hat mir nicht wirklich gefallen, deshalb habe ich das Buch jetzt erst gelesen, aber ich bin total überrascht! Die Charakte waren mir viel zu blass und jetzt gibt es eine 180° Wendung.. So komplex und authentisch.. Wirklich klasse. Und das Ende erst.. Band 3 muss her ;)

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Danke für dein Kommentar! :) ♥