[Rezension] Die Verratenen 01 - Ursula Poznanski

Infos zum Buch:
Autor/in: Ursula Poznanski
Preis: 18,95€ (HC)
Seiten: 464
Verlag: Loewe
Reihe: "Die Verratenen"-Trilogie
  1. Die Verratenen
  2. Die Verschworenen
  3. Die Vernichteten

Klappentext:
Sie ist beliebt, privilegiert und talentiert. Sie ist Teil eines Systems, das sie schützt und versorgt. Und sie hat eine glänzende Zukunft vor sich – Rias Leben könnte nicht besser sein.
Doch dann wendet sich das Blatt: Mit einem Mal sieht sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben kämpfen. Es beginnt ein Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt. Doch sie kann niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.

Meine Meinung:
Ich finde das Cover absolut originell und es sticht trotz seiner eigentlich recht simplen Struktur ins Auge. Ich finde die Kombination von blau, schwarz und weiß sehr passend und sie vermittelt den Eindruck von Ordnung, Ruhe und Sauberkeit. Direkt hat das schwarz-weiße Pflanzenblatt nichts mit der Geschichte zu tun, aber die Bedeutung dahinter schon. Alle Adern führen letztendlich zum "Ursprung"; es gibt einen "absoluten Führer" und von ihm gehen dann, wie in einer Hierarchie, weniger mächtige Rollen aus, bishin zur schwächsten Kraft, ganz am Ende der Linie. Und trotzdem arbeiten alle zusammen und sind ein Teil eines ganzen, geordneten Organismusses. Dazu passt auch das schwarze Bienenwaben-Muster, was ganz gezielt das strukturierte und fleißige Leben symbolisiert. Finde ich wirklich super ausgedacht und sehr passend zur Geschichte! Der Titel "Die Verratenen" ist ebenfalls gut gewählt.

Ria (Eleria), siebzehn Jahre alt, hat wohl das beste Leben, das man sich in dieser Zeit und Welt nur wünschen kann. In der Reihung besetzt sie den 7 Platz, was in diesem gigantischen Klassensystem eine wahnsinnige Leistung ist. Zusammen mit ihrem Mentor Grauko konzentriert sie sich in ihrer Ausbildung auf Sprachen und Kommunikation. Sie kann wie keine andere, in dem Verhalten und Auftreten eines Menschen lesen und daraus wichtige Schlüssel ziehen bzw. demnach raffniert kontern. Ria ist außerdem mit Aureljo zusammen, der wahrscheinlich zukünftige Präsident, die Nummer 1 in der Reihung. Er ist ein Mensch, dem man überall hin folgen möchte und ihm augenblicklich vertrauen möchte. Sein Talent liegt in seiner Überzeugungskraft, seiner demagogischen Fähigkeiten und seinem geballten Charisma. Ria und Aureljo sind Vitros, Kinder die in einem Reagenzglas hergestellt wurden und dann in einer künstlichen Gebärmutter herangewachsen sind. Sie leben mit tausenden von anderen in den Sphärenkuppeln, die sie versorgt und vor den Prims schützt, die Primaten, die Außenbewohner, die immer wieder Anschläge ausüben, weil sie ohne diesen besonderen Schutz auskommen müssen.

Eines Tages hört Ria per Zufall ein geheimes Gespräch mit, dass sie zutiefst schockiert. Ria, Aureljo und vier andere sollen Verräter sein und schon bald getötet werden! Verwirrt und unsicher versucht Ria aus dieser Nachricht, die sie eigentlich nie hätte erfahren sollen, schlau zu werden. Doch dann ist es bereits zu spät und die sechs stehen vor schweren Entscheidungen. Ihr zu Hause, die Sphären, wollen scheinbar grundlos ihren Tod. Die Prims wollen ebenfalls ihren Tod. Wohin sollen sie also flüchten, bzw. gibt es überhaupt eine Lösung? Und warum hat man sie angelogen, als es um die Außenbewohner ging, die in Wahrheit regelmäßig von der Regierung getötet werden?

Zuvor habe ich nur ein Hörspiel "Erebos" von Ursula Poznanski gehört und theoretisch ist das mein erstes Buch von ihr. Ich muss glücklicherweise feststellen, dass mir ihr Schreibstil wirklich gut gefällt! Die Geschichte wird komplett aus Rias Sicht in Ich-Form und in Gegenwart erzählt und Rias Gedankengänge, Gefühle und Handlungen werden direkt und sehr schön beschrieben, sodass man wirklich vollkommen in ihre Rolle schlüpfen kann. Rias Talent aus Mimik und Gestik des Gegenübers wie in einem Buch zu lesen, geht auf den Leser über und nicht selten hatte ich das Gefühl, als würde ich etwas dazulernen. Die Atmosphäre des Buches ist teilweise sehr "kalt und sauber", so wie man sich die technologisierte Zukunft typischerweise auch vorstellt. Die Nachricht des Verrats trifft auch relativ früh in der Geschichte ein, sodass man von Anbeginn schon Vermutungen und Rätsel aufstellen kann, was das alles bedeuten könnte.

Was mich gestört hat war dieses Aalglatte im Charakter bei der Protagonistin Ria, so wie Aureljo. Beide haben überdurchschnittliche Begabungen und erscheinen ununterbrochen perfekt und ausgeglichen. Natürlich sind beide auch mal ratlos oder für kurze Zeit ängstlich, aber man hatte nie das Gefühl, dass sie irgendwas komplett aus der Bahn wirft, obwohl es in verschiedenen Situationen sehr angebracht gewesen wäre. Sie wirken zu perfekt und ich hätte mir mehr Ecken und Kanten gewünscht, mit dem man ihre Persönlichkeit irgendwie hätte formen können, aber so haben sie unauthentisch gewirkt. Die anderen Charaktere hingegen sind da schon viel besser dargestellt.

Mir hat an dieser Dystopie gefallen, dass die Kommunkation und ihre genaue Analyse so interessant aufgegriffen wurde, dass Ria wohlüberlegt handelt, dass es keine Dreiecksbeziehung gibt, dass die meisten Charaktere bis zum Ende undurchschaubar und interessant bleiben, dass es einen roten und klaren Faden gibt und dass es eigentlich durchgehend nur um ein einziges, großes Rätsel geht, das es zu lösen gilt: Wer und vor allem warum hat man sie verraten? So hat der Leser ein klares Bild von der Situation. Was ich weniger gut fand, war der konsequent gleichbleibende Spannungsbogen, die Perfektion von Ria und Aureljo, dass das große Rätsel kaum aufgelöst wird und dass es viel zu wenige (!) Erklärungen zu dieser ganzen Welt und ihren Verhältnissen gibt. Es hat mir am Ende dieser ganz besondere Showdown gefehlt und für eine Dystopie war mir das System einfach viel zu oberflächlich beschrieben. Für was und warum gibt es diese Reihung? Auf was arbeitet Ria hin? Wie und warum ist es zu diesem System gekommen? Was genau war die "Lange Nacht" vor der Zeit der Sphärenkuppeln? usw. Im Vordergrund steht immer nur, dass sechs Leute plötzlich als eine Bedrohung dargestellt werden und verfolgt werden. Das Ende vermittelt nicht den Reiz, die Reihe unbedingt weiterlesen zu müssen, aber trotzdem bleibt die Neugier, was nun wohl die Antwort des Rätsels ist. Insgesamt also gut, mit Aussicht nach oben, da ich hoffe, dass es im zweiten Band dann mehr Antworten und Erklärungen gibt.

Fazit:
4 von 5 Punkten! :)

Kommentare:

  1. Wie machst du das mit der Grafik für die Punkte???
    http://cupcakemusics.blogspot.de/

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  2. Durch den gleichmäßigen Spannungsbogen fühlen sich Teile der Geschichte seeeeeehr lang an - so ging es mir zumindest.

    Kann dir in allem nur zustimmen! Schöne Rezension!

    glg
    Steffi

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  3. Eine sehr schöne Rezi!
    Sehr interessante Kritikpunkte, die auch für jemanden, der das Buch noch nicht gelesen hat, nachvollziehbar erklärt wurden. Ich habe mir das Buch zu Weihnachten gewünscht und hoffe es auch bald lesen zu können. :)

    LG
    Lilly

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  4. @Steffi: Jep, genauso war's. Danke dir! ♥

    @Lilly: Dankeee! ♥ *-* Ich bin gespannt, wie du es finden wirst! :D

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  5. Tolle Rezi! Bin mit vielen Punkten deiner Meinung.
    Ich habe einen Teil deiner Rezi in meine eingebracht. Natürlich mit der Quelle. Ich hoffe dies ist inordnung.
    http://buchkuss.blogspot.de/2012/11/rezension-die-verrarenen.html

    lg, gina ;)

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  6. Danke! Klar, mit der Quelle geht das schon klar. ;)

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Danke für dein Kommentar! :) ♥