[Rezension] Die Uralte Metropole - Lycidas - Christoph Marzi

Infos zum Buch:
Autor/in: Christoph Marzi
Preis: 9,99€ (TB)
Seiten: 864
Verlag: Heyne
Reihe: "Die Uralte Metropole"-Reihe
  1. Lycidas
  2. Lilith
  3. Lyra
  4. Somnia

Klappentext:
Als die kleine Emily eines Nachts Besuch von einer sprechenden Ratte erhält, weiß sie, dass nichts in ihrem Leben so bleiben wird, wie es einmal war. Nicht, dass sie ein gutes Leben in dem kleinen Waisenhaus in einem Armenviertel Londons führen würde. Doch dass sie auf der Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft eine phantastische Stadt unter den Straßen Londons entdecken würde und schon bald von den seltsamsten Wesen verfolgt wird – das hätte sich Emily selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgedacht.

Meine Meinung:
Wenn ein Cover perfekt zur Geschichte passt, dann dieses! Gekonnt und facettenreich wird Emilys Leben dargestellt, dass sich innerhalb von Stunden völlig auf den Kopf stellt. Finster, gruselig und geheimnisvoll wird London beschrieben und das Setting erinnert an Helloween. Ich finde es gut, wie Emily dargestellt wird: hoch geschlossenes, schwarzes Kleid, blasse Haut und ein Auge ist von den Haaren verdeckt. Emily besitzt nämlich nur noch eines. Vielleicht wäre ein bisschen schöner gewesen, wenn man ihre Haare feuerrot gelassen hätte, aber wahrscheinlich hätte das einfach nicht mehr ins Gesamtbild gepasst. "Die Uralte Metropole" ist als Obertitel gut ausgewählt, genau wie der Untertitel "Lycidas", da es um beides gleichermaßen geht.

Emily Laing ist zu Anfang des Buches zwölf Jahre alt und noch ein Kind. Genauer gesagt ein Waisenkind, dass seit der Geburt in dem Waisenhaus "Dombey & Son - Anstalt für heimatlose Kinder" in Rotherhithe, London, aufwächst. Mit sechs Jahren wurde sie Opfer eines schrecklichen Unfalls in der Küche, als der Reverend Dombey vor Wut einen anderen Jungen mit einem Rohrstock züchtigen wollte und dabei Emily am linken Auge traf. Seitdem trägt Emily ein Glasauge. Das Waisenhaus ist wirklich kein schöner Ort für ein Kind, besonders für Waisenkinder, die sich nach elterlicher Zuneigung und Liebe sehnen. Für die kleinsten Regelverstöße gab es noch am selben Tag eine schmerzvolle Strafe mit dem Rohrstock von Reverend Dombey. Er hasst Kinder, genau wie Madame Snowhitepink. Ohne ihre beste Freundin Aurora Fitzrova und der wenigen Mängelexemplare aus der Bibliothek wäre Emilys Leben sehr trostlos.

Doch eines Tages passieren merkwürdige und beängstigende Dinge. Lord Brewster, eine adelige Ratte, fängt an mit Emily zu sprechen! Kurz darauf wird Mara Mushroom, ein kleines und neues Waisenkind in Rotherhithe, von einem Wolf entführt und Emily bricht aus dem Waisenhaus aus, um es zu retten, denn Lord Brewster trug ihr zuvor auf, ein Auge auf das Mädchen zu haben. Doch schon nach ein paar Stunden stellt Emily fest, dass sie es alleine nicht schaffen kann und prompt taucht ihre Rettung, der Alchemist Wittgenstein auf, der ihr vorübergehend Unterkunft und Schutz anbietet. Mit ihm erkundet sie die vollkommen unbekannte "Stadt in der Stadt" - Die uralte Metropole, mitsamt ihrer Magie und Zauberei, um die kleine Mara zu retten. Aber warum ist sie ein Teil dieser ganzen Sache? Wieso spricht die adelige Ratte ausgerechnet mit ihr? Warum kann Emily sie überhaupt verstehen? Und was hatte Emily Laing mit Mara Mushroom zu tun?

Die Geschichte ist in zwei Teile aufgeteilt, zuerst "Erstes Buch: Lycidas" und dann "Zweites Buch: Lilith", wobei der zweite Teil sehr viel länger ist. Die Schriftgröße ist wirklich winzig, was meine Augen oft sehr frühzeitig ermüden ließ und ich deswegen verhältnismäßig lange für dieses Buch gebraucht habe. Der Schreibstil ist sehr eigen und ich fand es ziemlich gewöhnungsbedürftig, was wohl auch an der Erzählweise liegen wird. Es gibt einen allwissenden Erzähler in Vergangenheitsform, aber zwischendurch wird ebenfalls in der Ich-Form aus Wittgensteins Perspektive erzählt. Zudem war ich das ganze Buch über verwirrt, warum sich der Autor dazu entschieden hat, Wittgenstein als Erzähler auszuwählen und nicht Emily, die ja ganz offensichtlich die Protagonistin ist. Weil ich mich einfach nicht daran gewöhnen konnte und der Schreibstil von Christoph Marzi ein bisschen steif und abgehackt wirkt, bin ich im ersten Teil nur quälend langsam voran gekommen.

Vom Anfang war ich total begeistert und ich war sehr gespannt, wie Emily in das große Puzzle der uralten Metropole hineinpasst. Doch schon nach ein paar weiteren Seiten lässt diese Spannung stark nach und es zieht sich alles unheimlich in die Länge. Anscheinend liebt es Christoph Marzi ausschweifend ins kleinste Detail zu gehen und die winzigsten Regungen bei den (sehr in die Länge gezogenen und sich wiederholenden) Dialogen zwischen den Figuren zu beschreiben, obwohl man sie sich als Leser aus dem Kontext auch selber denken kann. Wittgensteins Lieblingsaussage lautet: "Fragen Sie nicht!" und diese kam gefühlte tausendmal (!) vor, was ich irgendwann überhaupt nicht mehr witzig fand. Emily ist ein Kind und es ist normal, dass sie alles wissen will, vor allem, wenn sich ihr urplötzlich eine komplett neue Welt der Magie und des Übernatürlichen eröffnet. Nach ca. 300 Seiten ist der erste Teil aber auch vorbei und es geht mit dem zweiten Teil "Lilith" los. Hier habe ich viel schneller lesen können. Ich vermute, dass Teil 1 ein wenig "älter" ist und der Autor in Teil 2 wahrscheinlich mehr Erfahrung im Autorendasein hatte, sodass man viel flüssiger lesen konnte. Mir haben in Teil 1 auch sehr oft die Gefühle, sprich die emotionale Bindung zur Protagonistin gefehlt. Zum Glück ist der zweite Teil sehr viel besser geschrieben!

"Lycidas" stellt für mich einen nicht ganz einfachen Auftakt einer Reihe dar, denn ich denke, es ist nicht gerade vom Vorteil, wenn besonders der Anfang eines Buches so mühsam und schwer zu lesen ist. Es hat mich einiges Durchhaltevermögen gekostet, auch wenn die Handlung an sich wirklich toll, interessant und vielseitig war. Es ist mal etwas anderes, die Abenteuergeschichten nicht aus der Sicht des Protagonisten, sondern eines Nebendarstellers zu erfahren. Der Plot ist originell, allerdings sind viele Bezeichnungen aus dem allgemeinen Fantasy-Genre schon bekannt, wie z.B. Wechselbälger, Feen und Engel. Auf jeden Fall kann ich jedem versichern, dass einem in diesem Buch eine finstere und abenteuerlustige Fantasy-Geschichte der ganz besonderen Art erwartet und kann es nur weiterempfehlen!

Fazit:
Knappe 4 von 5 Punkten! :)
Der Anfang ist leider mühsam, danach geht es aber umso besser weiter! :)

Kommentare:

  1. Und jetzt Teil zwei lesen ;)
    ja marzi kann zuweilen anstrengend sein aber ich liebe die Charaktere der Reihe total <3

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  2. Mensch, ich freue mich so über dein Geschenk! *.* Nochmal DANKE! ♥
    Du hast recht! Die Charaktere bleiben einem auf jeden Fall im Gedächtnis. :))

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  3. Schöne Rezi :-) Ich schleiche auch schon geraume Zeit um das Buch herum.... Ich denke, ich sollte es besser lesen statt weiter zu schleichen ;-)
    Liebe Grüße

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  4. Die Reihe hat mir sehr gut gefallen. Ich gebe dir aber Recht, dass der Schreibstil schon gewöhnungsbedürftig ist ^^

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  5. Hach, ich hab das Buch schon sooo lange auf meinem SuB, bin aber nie in der Stimmung dazu. Dabei klingt es wirklich zauberhaft, ich sollte es mir bald mal vornehmen. :) Auch wenn ich jetzt Skrupel vor dem Anfang hab. :D

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  6. Tolle Rezi!
    Das hört sich richtig toll an. Sehr schön geschrieben. :)

    LG
    Lilly

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  7. Danke euch! ♥
    Der Schreibstil ist echt ein Ding für sich. :D Aber die Geschichte ist einfach soo gut! :) Freue mich auf Band 2. ;)

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Danke für dein Kommentar! :) ♥