[Rezension] Noir - Jenny-Mai Nuyen

Infos zum Buch:
Autor/in: Jenny-Mai Nuyen
Preis: 14,95€ (HC)
Seiten: 384
Verlag: Rowohlt

Klappentext:
Nino Sorokin ist dabei, als der Unfall geschieht. Seine Eltern sterben, ihm bleibt eine besondere Gabe: Er sieht den Tod eines jeden ­Menschen voraus. Auch den eigenen. Von nun an ist er besessen von der Frage, wie man das Schicksal überlisten kann. Er weiß, er wird nur 24 Jahre alt – und sein Geburtstag rückt immer näher. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Ninos Suche führt ihn zu einem geheimen Zirkel von Mentoren, die Seelen sammeln. Und er begeht den größten Frevel, den der Zirkel kennt: Er verliebt sich in eine der Seelenlosen. In die geheimnisvolle Noir, die bereits auf der Schwelle zum Jenseits steht ...

Meine Meinung:
Das Buch wird im Buchregal wahrscheinlich direkt ins Auge fallen, obwohl eigentlich nur ein Element auf dem Cover dargestellt wird: Eine zersprungene Glasscheibe auf weißem Hintergrund. Dem Betrachter stellt sich natürlich zu aller erst die Frage, was es mit der Scheibe auf sich hat. Ein toller Eyecatcher und noch dazu sehr passend zur Geschichte! Der Titel "Noir" bezieht sich auf eine wichtige Figur im Buch, sodass das auch wunderbar passt.

Nino Sokorin ist ein gutaussehender und charismatischer, junger Mann, der besondere Fähigkeiten besitzt. Er kann den Tod von einzelnen Menschen sehen und hin und wieder kann er auch deren Gedanken und Gefühle klar herauslesen. Er arbeitet in einem Künstlergeschäft und ist öfter mal mit seinem Kumpel Philip auf Partys unterwegs. Seine Eltern hat er mit sechs Jahren bei einem Autounfall verloren und lebt nun bei seiner lesbischen Halbschwester Katjuscha in einer Wohnung. In wenigen Tagen ist sein 24. Geburtstag und mit diesem Zeitpunkt rückt auch immer mehr sein Todesdatum näher, denn Nino sieht auch seinen eigenen Tod... Und dann ist da noch Noir. Sie wird letztendlich Ninos Schicksal entweder zum Guten oder zum Schlechten wenden.

Vorab muss ich sagen, dass der Klappentext eindeutig zu viel verrät und es gut wäre, ihn einfach zu überspringen. Er nimmt vor allem die Spannung weg und ich bin mehr als froh darüber, dass ich mir schon vor einiger Zeit abgewöhnt habe, mir direkt vor dem Lesen eines Buches den Klappentext durchzulesen.

Der Schreibstil von Jenny-Mai Nuyen ist wie gewohnt sehr anspruchsvoll, tiefgründig und poetisch. Bei diesem Buch musste ich allerdings feststellen, dass er auch sehr schwer zu lesen ist. Natürlich liest man flüssig, aber das Gelesene auch wirklich zu verstehen braucht mehr Zeit als sonst. Dass es dazu auch viele, sehr langatmige und einfach nur verwirrende Passagen in der Geschichte gibt, hat mein Lesevergnügen dann zunehmend getrübt. Die Story wird aus Ninos Sicht in Er-/Sie-Form und in Vergangenheit erzählt. Abwechselnd gibt es die ersten zwei Drittel des Buches allerdings auch kurze Kapitel mit dem immer gleichen Titel "JETZT" aus Ninos Sicht in Ich-Form und in Gegenwart. Außerdem gibt es nach jedem "JETZT" Kapitel eine ganze Seite, die mit einer zersprungenen Scheibe bedruckt ist, dessen Hintergrund sich dem Leser erst ganz am Ende offenbart.

Mich hat vor allem diese permanente Verwirrtheit und Unklarheit am Anfang gestört, denn man hat nicht die leiseste Ahnung, was das Ganze soll und was eigentlich los ist. Als Leser bekommt man nur sehr vage bis kaum einen Überblick von Ninos Gedanken und Gefühlen, da die Schreibweise in Er-Form eine gewissen Distanz zwischen Leser und Protagonist hervorruft. Es geht sehr viel um Drogen, Alkohol, Rausch, Esoterik und Okkultismus. Nino wird bald sterben und allein, dass er felsenfest weiß, dass er bald sterben wird, ist schon verrückt genug. Noch verrückter ist, dass er beim Gläserrücken herausfindet, dass er schon tot ist und nach seinem Tod erst wirklich leben wird - das meint jedenfalls das Glas. Macht euch also darauf gefasst, dass es in diesem Buch immer ein "noch verrückter" geben wird! Ich wurde von der Thematik ein wenig überrumpelt und war auch im Nachhinein nicht sehr begeistert davon, weil ich einfach nicht an sowas glauben kann. Jenny-Mai Nuyen versucht hier zwar zum ersten mal einen Roman mit der Realität als Setting zu kreieren, verbindet diesen allerdings sofort wieder mit Okkultismus und Übernatürlichem, sodass die Geschichte meiner Meinung nach, schnell an Glaubwürdigkeit verliert.

Insgesamt bin ich, wenn ich ehrlich bin, enttäuscht von diesem Buch. Es war ein sehr mühseliges und langatmiges Leseerlebnis, da man nur häppchenweise das große Rätsel, um was es eigentlich geht, lösen kann, was den Leser durchgehend unzufrieden zurücklässt. Man hat einfach nichts, was man hundertprozentig greifen und abspeichern kann. Ich persönlich fand auch die Thematik nicht sehr ansprechend und habe mir nach dem Klappentext etwas komplett anderes vorgestellt. Ich finde, man hätte viel mehr auf den Punkt kommen und nicht immer drum herum reden sollen und Ninos urplötzliche Liebe zu Noir konnte ich auch nicht nachvollziehen. Trotz allem war dieses Buch nicht komplett schlecht! Das Ende konnte so einiges nochmal retten, auch wenn dieser ebenfalls sehr kompliziert und vage beschrieben/geschrieben ist. Dann hat mir ebenfalls die Aufmachung des Buches sehr gut gefallen, denn die Seiten mit den zersprungenen Glasscheiben haben tatsächlich eine tiefere Bedeutung, als man zunächst denken mag. Generell gibt es ein paar Stellen, die sehr tiefgründig, philosophisch und schön sind, aber wegen der ganzen negativen Punkte geraten diese leider in Vergessenheit.

Fazit:
2 von 5 Punkten!
Anders als erwartet und leider nichts für mich. :/

Kommentare:

  1. Du hast mit deiner Rezension sehr schön beschrieben was sich gestört hat! Genau diese Punkte würden mich wohl auch stören, sodass ich das Buch erst gar nicht lesen werde!
    Tolle Rezension!!!

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  2. Herzlichen Dank! :)

    Freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte, Vanessa. :) ♥

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  3. Ich finde die Rezension auch sehr gut. Ich habe auch nur drei Sterne vergeben.
    Das ganze Drogenzeug war irgendwann soooo durchgeknallt... Puuh!
    Und am Ende ist man auch nicht wirklich schlauer - ein bisschen vielleicht, dachte ich... Aber die angeregte Rezension dazu hat mich auf Dinge gebracht, an die hab ich gar nicht gedacht :-)

    So, genug zugetextet.

    Glg
    Steffi

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  4. Wow, eigentlich wollte ich dieses Buch auch noch lesen, aber wenn ich deine Kritik hier so höre, werd ich es mir wohl nochmal überlegen.
    LG
    Valentina

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  5. @Steffi: Genau! ^^ ♥

    @Valentina: Ja, da sollte man lieber vorsichtig sein. :) ♥

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  6. Hm, der Inhalt hört sich jetzt nicht so nach was für mich an ^^
    Du hast eine schöne Rezi geschrieben :) Und alles sehr nett ausgedrückt und begründet :D
    Liebe Grüße :)
    Blueberry

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  7. Ich bin da auch deiner Meinung.. Die Story ist nicht wirklich greifbar.. Jenny-Mai Nuyen arbeitet viel mit Emotionen und Stimmungen, die einen einfach erreichen müssen, damit das Buch einen berührt.

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Danke für dein Kommentar! :) ♥