[Rezension] Flucht eines Toten - David Bielmann

Infos zum Buch:
Autor/in: David Bielmann
Preis: 19,90€
Seiten: 255
Verlag: Woa Verlag

Klappentext:
Albert Leblanc führt ein trostloses Leben als Koch in der verrauchten Dorfbeiz von Rechthalten. Ständig wird er vom Wirt erniedrigt und von betrunkenen Gästen verhöhnt, Anerkennung erhält er kaum. Die einzigen Freuden in seinem Alltag sind das Gitarrenspiel, der Absinth und die Serviertochter Mona, die ihm als einzige etwas Sympathie entgegenbringt.
In einsamen Momenten hängt er immer öfter morbiden Gedanken nach. Er beschliesst, in vier Tagen all den Bosheiten ein Ende zu setzen. Albert macht sich an sein schauriges Werk ...
Ob sich heute in Rechthalten noch jemand an Albert Leblanc zu erinnern vermag? Wer seinerzeit regelmässig in die Wirtschaft pilgerte, wird sich womöglich noch ein Bild seiner schmächtigen Gestalt machen können. Es würde allerdings nicht erstaunen, wenn er vollends in Vergessenheit geraten wäre. Dies ist seine so verwegene wie tragische Geschichte.

Meine Meinung
Mit liebe zum Detail und auch einem zur Geschichte passendem Cover, fällt "Flucht eines Toten" einem Käufer schnell ins Auge. Das erfrischende Himmelblau im Kontrast zum Schwarz bietet überraschenderweise eine schöne Kombination. Auf dem Cover ist dieser schwarze Baum, der auf der linken Seite kahl ist und auf der rechten Seite seltsamerweise noch viele Blätter hat. Genau zwischen diesen "Seiten" erkennt man eine verkehrt herum skizzierte Gitarre und in der Nähe der Baumkrone befindet sich dann noch leicht "versteckt" ein schwarzes Plektrum. Die untere Hälfte ist komplett schwarz und bildet den Boden auf dem der Baum wächst und dort befindet sich ebenfalls in großen Buchstaben der Titel "Flucht eines Toten". Ich finde das alles sehr raffiniert und genial dargestellt und finde alles äußerst tiefgründig, weil es so perfekt zur Story passt - wie die Faust auf's Auge. ;)

Albert Leblanc war ein einsamer junger Mann. 27 Jahre alt, immer noch Jungfrau und der festen Überzeugung, dass die Welt ungerecht ist und ihm nichts mehr bieten konnte. Er war ein Koch eines Gasthofes in einem kleinen Dorf und die Dorfbewohner machen sich mehr über ihn lustig, als ihn respektvoll zu begegnen. Er liebte seine Gitarre, liebte seinen Schluck Alkohol, besonders den Absinth und verbrachte seine Feierabende immer allein mit seinen beiden Leidenschaften. Eines Tages beschloss er schließlich Selbstmord zu begehen. Ihn hielt nichts mehr auf dieser Welt, er hatte es satt ein Versager genannt zu werden und der Tatsache entgegen zu sehen, dass er es tatsächlich zu nichts gebracht hat. Deshalb bereitete er alles für sein baldiges Ableben vor. Als er aber die nette und hübsche Kellnerin Mona ein wenig besser kennenlernte, packten ihn Zweifel... Doch sie war verheiratet und viel älter als er und er war niemand, der ihr was bieten konnte, er hatte also keine Chance. So entschied er sich dann doch für den Tod und verabschiedete sich vom Leben.

Ist euch was an Alberts Nachnamen aufgefallen? "Leblanc" - Leb' lang. Der Autor hat viele solche tollen Eigentümlichkeiten und Genialitäten in seinem Schreibstil vorzuweisen. Die Geschichte wird größtenteils aus Alberts Perspektive, in Er-/Sie-Form und in Vergangenheit erzählt, hin und wieder ließt der Leser eine Szene aber auch aus de Sicht von Nebencharakteren. Die angewandte Sprache im Buch ist ernst, gehoben und elegant. Die Geschichte ist außerdem in zwei Teile aufgeteilt: 1. "Tod eines Lebenden" und 2. "Leben eines Toten". Jedes Kapitel fängt mit einer verschieden langen Reihe von Gitarren-Akkorden an, die eine bestimmte Melodie wiedergeben und die Stimmung von Albert verdeutlichen. Auch diese verändern sich mit der Zeit und zeigen Alberts Entwicklungen. Ich fand es einfach toll und originell. Die ersten hundert Seiten verlief alles sehr ruhig, langsam und müde, aber genau das stellt perfekt dar, wie Albert sich in seinem Alltag gefühlt hat. So wie sich alles später ändert, so ändert sich auch Alberts Stimmung, seine Gitarren-Akkorde und auch der Schreibstil - grandios.

In diesem Genre ist dieses Buch auf jeden Fall etwas sehr Besonderes, das man nicht verpassen sollte, zu lesen. Ich lese allgemein viel öfter Jugendbücher im Bereich Fantasy und Romance, aber "Flucht eines Toten" hat mich ebenfalls definitiv mit seiner Eigenartigkeit (im besonderem Sinne) und Raffinesse überzeugt. Ich spiele selbst ein bisschen Gitarre und habe die eine oder andere Melodie aus dem Buch nachgespielt und damit noch ein bisschen besser Alberts Gefühlslage verstehen können. Die Geschichte zeigt außerdem auch, dass Menschen hin und wieder einfach mal aus ihrem Alltag raus kommen müssen, um das Leben und seine Vorzüge wieder neu wertschätzen zu lernen. Ich bedanke mich herzlichst beim Autor David Bielmann für ein wundervolles und tiefgründiges Buch! :)

Fazit:
5 von 5 Punkten!
Ein schöner Roman über einen Mann, der stirbt und dann das Leben wieder leben liebt. ;)

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