[Rezension] Das Land der verlorenen Träume - Caragh O'Brien

Infos zum Buch:
Autor/in: Caragh O'Brien
Preis: 16,99€
Seiten: 464
Verlag: Heyne
Originaltitel: Prized
Reihe: "Birthmarked"-Trilogie
  1. Die Stadt der verschwundenen Kinder
  2. Das Land der verlorenen Träume
  3. Der Weg der gefallenen Sterne

Achtung! Dies ist der zweite Band einer Reihe!

Klappentext:
Sei stark und mutig, Gaia!
Die sechzehnjährige Gaia Stone, eine junge Hebamme, muss aus ihrer Heimat fliehen, mit nichts als den Kleidern am Leib und ihrer neugeborenen Schwester im Arm. Alles wurde ihr genommen – sind doch ihre Eltern ermordet und die Liebe ihres Lebens verhaftet worden, und die zerstörte Welt, in der sie lebt, straft unbarmherzig jede Schwäche. Als ein Fremder sie mitten im Ödland vor dem Verdursten bewahrt, scheint sie zunächst gerettet. Doch das Dorf des Fremden nimmt Gaia erst die Schwester und dann auch noch die Freiheit. Verzweifelt und entmutigt gibt sie beinahe auf. Schließlich besinnt sich Gaia jedoch darauf, dass vor allem anderen das Leben zählt – und sie stellt sich ihrem Schicksal, ihrer Verantwortung für ihre Schwester und einer neuen, zarten Liebe …

Cover und Buchtitel:
Das Cover des zweiten Bandes ähnelt dem ersten sehr, es wurde lediglich die Farbe geändert. Man sieht zwei mal das gleiche Gesicht eines Mädchens von der Seite. Sie würde zur Protagonistin passen, deren eine Gesichtshälfte von einer großen Brandnarbe entstellt ist. Um die Gesichter schwebt ein heller Rauch und der Hintergrund geht von orange bis dunkelbraun. Die einzelnen hellen Punkte sind über das ganze Cover verteilt und stehen wahrscheinlich für die Sommersprossen, die Gaia im ersten Band jedem Neugeborenen tätowiert hat. Ich finde das Cover wunderschön und passend zur Geschichte gewählt. Außerdem finde ich auch die eigentümliche Schriftart des Titels schön. Der Titel an sich gefällt mir, auch wenn er nicht so richtig, wie beim ersten Band, zu passen scheint. Am Ende des Buches wird aber deutlich, dass der Titel doch gut passt. Doch das Cover sorgt so oder so schon für ausreichende Aufmerksamkeit. Auch ohne Schutzumschlag wunderschön, denn der Buchumschlag ist golden-metallic-glitzernd; super schön!

Schreibstil und Charaktere:
Wie auch beim ersten Band dieser Reihe, liebe ich den Schreibstil dieser Autorin. Man braucht sich noch nicht mal am Anfang einzulesen  und ist von der ersten Seite an wieder in Gaias Welt gefangen. Auch diesmal wird die Geschichte aus Gaias Sicht in der Sie/Er-Form und in Vergangenheit erzählt. Der Schreibstil ist einfach grandios; er ist angenehm zu lesen, vermittelt starke Gefühle mit genau den richtigen Worten und hält den Leser gebannt fest, immer weiterzulesen. Wenn ich ehrlich bin, bin ich einfach nur bis ins Extremste überrascht über dieses Buch. Niemals habe ich mit so einer kompletten Wendung gerechnet und nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, musste ich mich erstmal sammeln und diese vielen neuen Informationen auf mich wirken lassen. Wer gehofft hat, im zweiten Teil eine Aufklärung des ersten Buches zu erlangen, wird enttäuscht sein. Aber zu dieser Enttäuschung kommt es erst gar nicht, denn die Autorin erweckt einfach zum zweiten Mal in Folge eine vollkommen neue Situation zum Leben. Beide Bücher im Vergleich, beschreiben sie fast zwei verschiedene Magnete, die trotzdem zusammengehören. Band 1 ist gleichmäßig, ordentlich, emotional und spannend, aber auch sehr zurückhaltend und irgendwie schüchtern. Band 2 hingegen geht einfach ins Ganze; alles geht schnell, hart, direkt, katastrophal, feurig und mit vielen starken Gefühlen gefüllt, die den Leser einfach nicht mehr loslassen, vonstatten. Wenn ich Band 1 schon toll finde, dann weiß ich nicht wie ich Band 2 finden soll. Es ist einfach phänomenal, aber auf eine komplett andere Art und Weise!

Gaias bisheriges Leben verändert sich mit einem Schlag. Beide Elternteile auf grausame Art verloren, verliert sie auch noch Leon und muss sich mit ihrer Schwester Maya durch das Ödland kämpfen - allein! Maya ist ein Neugeborenes, das gerade jetzt unbedingt die nötige Pflege und eine Mutter braucht. Doch Gaia kann ihrer Schwester keine Muttermilch bieten und ist selbst am Verhungern. Viele Tage irrt Gaia mit Maya in dem öden Wald umher, auf der Suche nach irgendeinem Dorf oder wenigstens nach irgendeiner Menschenseele, die ihnen helfen kann. Kurz vor der Bewusstlosigkeit - Mayas Zustand ist sehr schlecht, sie steht in tödlicher Lebensgefahr - findet sie jemand. Gaia bekommt es prompt mit der Angst zu tun und glaubt, der Fremde wolle sie töten. Doch zu ihrem Glück ist er nicht gefährlich. Peter heißt er und er rettet sie und Maya und bringt sie zu seiner Heimat namens Sylum. Die Menschen leben nach seltsamen Gesetzen und Gaia sieht sich selbst bis aufs Äußerste herausgefordert, diese zu tolerieren oder gar zu befolgen.

Matrarch Lady Olivia, die Anführerin Sylums, konnte ich von der ersten Seite nicht ausstehen. Nicht weil sie übermäßig böse und teuflisch war, sondern weil sie in diesem Buch die Rolle übernahm, die die Rebellen zu unterdrücken versucht. Sie schafft es Gaias Rückgrat zu brechen und ist herrisch und unglaublich stur. Ich kann nicht zu viel verraten, aber es soll klar euch klar werden, dass mich die Matrarch wirklich um den Verstand gebracht hat. Sie hat Gaias Persönlichkeit fast vertrieben und ich hatte Angst, dass die Geschichte für mich so den Reiz verlieren würde, wenn Gaia zukünftig nicht mehr als Symbol der Rebellion diente.

Ich beschreibe es mal so: die erste Hälfte des Buches geht es bergab mit den Gefühlen, das heißt viele Fehler, Schmerz, Ungerechtigkeit, abgrundtiefer Hass, Verzweiflung, Zwang, Verwirrung, Sturheit und Unterdrückung. Die zweite Hälfte geht es bergauf und einer der spannensten Aspekte, ist die Liebe, die an den verschiedensten "Orten" aufblüht.

Mehr kann ich nicht verraten und will ich auch nicht. Das scheint alles sehr fadenscheinig zu sein, ich weiß, aber ich würde nur die Spannung zerstören, wenn ich hier weiter drauf eingehe. Dann würde ich jedem einzelnen wirklich ans Herz legen, den Klappentext im Inneren des Schutzumschlages NICHT zu lesen! Seid nur auf etwas komplett Neues gefasst und ihr werdet einfach nur noch verdutzt aus der Wäsche gucken!

Meine Meinung:
Ich denke, es wird deutlich, dass mich dieses Buch wirklich aufgewühlt hat. Ich habe mit Gaia wirklich mitgefiebert, bis zu dem Punkt, als sie sich innerlich veränderte. Sie wird sich ihrer Rolle als Veränderin, Rebellin und Revolutionistin sehr unsicher und ich hatte wirklich Angst, dass das bleibende Schäden mit sich bringt. Als hilfreiche Metapher: Band eins ist ein ordentlich gebügeltes und gefaltenes hellblaues Hemd, während Band zwei ein unordentlich zerknüllter Ballen eines feurig roten Kleides ist, dessen wahre Schönheit zunächst verborgen bleibt. In diesem Buch herrscht also ein Orkan der verschiedensten Gefühle mit denen Gaia nach ihrer schweren Reise zurecht kommen muss. Und wieder kann ich nur empfehlen, den Klappentext bitte nicht vorher zu lesen! Diese Geschichte bietet nebenbei auch so einiges an medizinischen und gesundheitlichen Aspekten, die mich sehr interessiert und fasziniert haben (ich möchte später Medizin studieren) und was die Liebe anbetrifft - WOW! Es gleicht einem Spinnennetz, in dem Gaia verzweifelt wie eine Fliege gefangen ist. Wer da wohl ihr Retter ist? Ich verrate nichts! ;)

Fazit:
Ich vergebe ganz klar 5 von 5 Punkten! :))
Dieses Buch ist viel zu gut, um nicht gelesen zu werden! *__*

Kommentare:

  1. Hab die Rezi mal nicht gelesen, ist ja schon der zweite Teil :P Hm, und das mit dem Kommentar Hintergrund bei mir geht irgendwie nicht... frag mich nicht wieso. Bin jede Einstellung durchgegangen...

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  2. Eine schöne Rezension! Mir gefällt vor allem der Vergleich mit den Klamotten im Fazit ;) Hab das Buch auch schon gelesen und war genau wie Du total begeistert.

    LG
    Monika
    www.suechtignachbuechern.blogspot.com

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  3. Ich hab das Buch grad die letzten beiden Tage gelesen...nein, besser gesagt "verschlungen"

    Mir gefiel es genauso gut wie dir und aufgewühlt hat es mich echt auch ziemlich...

    ...tolle Rezi hast du da geschrieben!

    LG Luminchen

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  4. @Monika: Danke dir! :) ♥ Ja, das ist mir so spontan eingefallen, freut mich, dass es dir gefällt! :))

    @Luminchen: Ja, ich hab's auch praktisch "aufgegessen* :D Vielen lieben Dank, ich freue mich! ♥

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Danke für dein Kommentar! :) ♥